Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums mit Schillers Räubern bei den 38. Fuldaer Schultheatertagen – Abschlussveranstaltung an der Winfriedschule
Hünfeld/Fulda, 05.02.2026. Hätte Schiller gewusst, dass seine Räuber auch junge Frauen hätten sein können – er hätte vermutlich kurz geseufzt. Und dann sein Drama neu geschrieben. Mit mehr Liebe. Mehr gefälschten Nachrichten. Mehr Neid, Wut und Enttäuschung. Also mit allem, was zuverlässig eskaliert.
In gerade einmal zweieinhalb Tagen wurden Schülerinnen und ein Schüler des Beruflichen Gymnasiums – bewaffnet mit Witz, Spielfreude und einer erstaunlichen Bereitschaft, sich ins Chaos zu stürzen – zu einer Räuberbande, die Schillers Originalen ernsthaft Sorgen gemacht hätte. Zu Recht.
Erzählt wurde die Geschichte von zwei Sprecherinnen, auf der Bühne konsequent umgesetzt. Da liebt ein junger Mann vom Hof über beide Ohren eine Räuberbraut und entscheidet, dass Sterben deutlich attraktiver ist als ein Leben ohne sie. Ein Dienstmädchen mit dem Herzen am richtigen Fleck lacht – bis in den Tod hinein. Eine charmant-bösartige Franziska besteht darauf, auf keinen Fall umgebracht zu werden. Und irgendwo sitzt eine alte Mutter im Turm, lebt von Tuc-Keksen und weigert sich trotzdem, innerlich aufzugeben.
Die Räuberinnen rauben. Gründlich. Sie bringen das Publikum um seine Gegenstände und gewinnen dabei auf irritierende Weise immer mehr Sympathie. Man wird bestohlen – und denkt sich: Ja, die dürfen das.
Unter der Anleitung von Theaterpädagogin Jessica Stukenberg und Kurslehrer Andreas Gamisch wurde ernsthaft gearbeitet und die Teilnahme des Kurses an der Abschlussveranstaltung an der Winfriedschule vorbereitet, für die man genau sieben Minuten Zeit hatte.
Spielerisch verwandelte man sich von den harten Spaghetti in eine weiche Nudel im Kochtopf, sprach quer durch den Raum gegen jede erdenkliche Störquelle an, um die Stimme zu finden, improvisierte als Affe und Astronaut auf dem Mond und erzeugte Geräusche, von denen man nicht wusste, dass sie im eigenen Körper wohnen.
All das nicht zum Spaß. Also irgendwie doch, aber vor allem, um Schillers Werk gerecht zu werden. Auf eine eigensinnige, lebendige und sehr gegenwärtige Weise.


