Lesung mit Klaus-Peter Wolf an der Konrad-Zuse-Schule Hünfeld
Hünfeld, 24.11.2025. Schülerinnen und Schüler der 11. Klassen der Fachoberschule (Fachrichtung Sozialwesen) durften jüngst einen besonderen Literaturvormittag erleben: Der Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf war im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Literatur im November“ in Fulda und Umgebung zu Gast.
Die beliebte Reihe „Literatur im November“, organisiert vom Verein Zukunft Bildung Fulda e. V. in Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt, bringt Jahr für Jahr Autorinnen und Autoren an verschiedene Schulen der Region. Ziel ist es, durch persönliche Begegnungen zwischen Autoren und Lesern die Freude an Büchern und die Textkompetenz zu fördern. In diesem Rahmen wurde auch der Besuch Klaus-Peter Wolfs an der Konrad-Zuse-Schule ermöglicht – eine Gelegenheit, Literatur unmittelbar und aus erster Hand zu erleben.
Gleich zu Anfang der Lesung fragte Wolf mit einem Lächeln, ob er den Vormittag mit Fragen aus dem Publikum eröffnen solle – eine Geste, die unmittelbar eine offene Gesprächsatmosphäre schuf. Sein lockerer Ton und die offene Gesprächsführung sorgten rasch für eine angenehme und zugleich konzentrierte Stimmung.
Einblicke in das Schreiben – und ins Leben
Wie wird man eigentlich ein Schriftsteller, dessen Bücher millionenfach gelesen und sogar verfilmt werden – und der trotzdem betont, dass er „einfach nur schreiben“ wolle?
Auf diese einleitende Schülerfrage begann Wolf mit einem ehrlichen Rückblick auf seine Anfänge: Er habe lange nicht daran geglaubt, dass man vom Schreiben leben könnte. Heute jedoch sind seine Bücher millionenfach verkauft; über fünfzehn Millionen Exemplare in 26 Sprachen – ein Erfolg, der weit über Deutschland hinausreicht. Viel wichtiger als Zahlen sei ihm jedoch, dass er seiner Leidenschaft nachgehen könne: Er betonte mehrfach, dass er schon lange nicht mehr aus finanziellen Gründen arbeite, sondern aus Liebe zu seinem Beruf.
Im weiteren Verlauf schilderte Klaus-Peter Wolf, dass das Schreiben für ihn beinahe ein Dauerzustand sei – oft bis spät in die Nacht, wenn ihn eine Geschichte nicht mehr loslässt und weitergeschrieben werden will. Passend dazu zeigte er den Schülerinnen und Schülern ein handschriftliches Manuskript, das er stets bei sich hat: ein unmittelbares Bild eines Autors, der sein Handwerk ernst nimmt und dabei große Freude ausstrahlt.
Wenn Figuren ein Eigenleben entwickeln
Ein zentrales Thema des Vormittags war Wolfs kreativer Prozess. Er beginne seine Romane zwar mit einem klaren Konzept und arbeite sehr kontinuierlich, sodass im Schnitt zwei Romane pro Jahr entstehen. Entscheidend sei für ihn jedoch der Moment, in dem seine Figuren ein Eigenleben entwickeln. Wenn Figuren „wirklich Kraft und Leben haben“, so Wolf, dann verhalten sie sich nicht wie Marionetten. „Dann merke ich: Die Figuren tun nicht das, was ich will, und dann lasse ich es laufen.“
Für die Schülerinnen und Schüler wurde hier deutlich: Literatur ist kein starrer Bauplan, sondern ein lebendiger Raum, in dem sich Geschichten und Figuren weiterentwickeln dürfen.
Von der Verlags-Hürde zum Bestsellerautor
Offen sprach Wolf auch über die Schwierigkeiten seiner Anfangszeit. Deutsche Spannungsliteratur habe es damals schwer gehabt; gefragt gewesen seien vor allem englisch- und amerikanischsprachige Krimis. Ein Verleger habe ihm einmal gesagt, sein Manuskript sei „richtig toll“ – wäre er Amerikaner, würde es sich sicher leichter verkaufen.
Statt zu resignieren, engagierte sich Wolf gemeinsam mit anderen Autorinnen und Autoren in einem kleinen literarischen Verlag und setzte sich dafür ein, dass deutsche Stimmen im Spannungsgenre sichtbarer werden. Heute zählen gerade seine Ostfriesenkrimis zu den erfolgreichsten Reihen des Landes; viele Bände erreichten Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste und behaupteten sich dort über Wochen und Monate.
Er berichtete außerdem von den Erfolgen seiner Reihenfiguren, allen voran Dr. Bernhard Sommerfeldt und der Serie um die Kommissarin Ann Kathrin Klaasen. Viele Romane wurden fürs ZDF verfilmt und als Samstagskrimis ausgestrahlt. Dabei, so erzählte er schmunzelnd, sei ihm vor dem Erscheinen eines besonders ungewöhnlichen Romans zunächst mulmig gewesen: „Was, wenn die Leserinnen und Leser diesen speziellen Humor nicht verstehen?“ Doch bereits kurz nach der Veröffentlichung trafen hunderte Leserbriefe ein – ein regelrechter Briefsturm, der zeigte, dass sein Stil und seine Figuren beim Publikum ankommen.
Echtes Leben als Inspiration
Neben all diesen Fakten gab der Autor auch Einblicke in seinen persönlichen Werdegang. Er sprach über seine Schulzeit, darüber, dass ihm nicht jedes Fach leichtgefallen sei und wie früh der Wunsch gereift sei, Schriftsteller zu werden. Rückblickend, so Wolf, sei er dankbar dafür, dass er seinen eigenen Weg habe gehen dürfen – mit Umwegen, Zweifeln und viel Arbeit, aber immer getragen von der Freude am Schreiben.
Deutlich wurde auch, dass bei Klaus-Peter Wolf manches direkt aus dem echten Leben in seine Texte einfließt: Begegnungen mit besonderen Menschen, eigenwillige Charaktere, kleine Alltagsbeobachtungen. Aus solchen Vorbildern entstehen dann literarische Figuren, die zwar an reale Personen erinnern, in der Fiktion aber ganz neue Wege gehen. Manche seiner Romane, so deutete er an, berührten sehr persönliche Erfahrungen – entsprechend bewegend sei es für ihn, die Verfilmungen später zu sehen. Gerade dort, wo Stoffe nah an der eigenen Biografie liegen, fordere das Schreiben und spätere Anschauen viel Mut und Offenheit.
Im Gespräch mit den Schülern
Die Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit intensiv. In der anschließenden Fragerunde kam eine große Bandbreite an Themen zur Sprache:
Arbeitet er mit echten Polizisten zusammen?
Ja. Ein Freund von Klaus-Peter Wolf ist Polizist, unterstützt ihn bei fachlichen Fragen und ist auch bei manchen Verfilmungen als Berater beteiligt.
Gibt es ein Buch, zu dem er eine besonders enge Bindung hat?
Ja, etwa Ostfriesen-Sturm: Beim Schreiben habe er gemerkt, wie nah die Geschichte an eigene Erfahrungen rücke. Gerade hier werde deutlich, wie Literatur persönliche Themen aufgreifen und zugleich vielen Menschen aus der Seele sprechen könne.
Welche Tipps gibt er Schülerinnen und Schülern, die selbst schreiben möchten?
Wolf empfahl zunächst, eigene Texte laut zu lesen, weil beim Hören schwache oder holprige Formulierungen besonders auffallen. Darüber hinaus könne es hilfreich sein, den Text in ein Diktiergerät zu sprechen und sich später noch einmal anzuhören. Auch das Vorlesen ausgewählter Passagen vor Freundinnen und Freunden sei wertvoll, um Dialoge und Formulierungen anschließend gezielt zu überarbeiten.
Wie steht es um Diversität in seinen Romanen?
Für Klaus-Peter Wolf ist klar: Das gesamte Spektrum der Wirklichkeit solle in Literatur sichtbar sein. Entsprechend finden sich in seinen Büchern sehr unterschiedliche Figuren – unter anderem eine lesbische Kommissarin – und vielfältige Lebensentwürfe.
Welche Rolle spielte die Familie?
Er berichtete, dass er auf seinem Weg vor allem von seiner Mutter Unterstützung erfahren habe. Insgesamt machte er deutlich, dass Anerkennung zwar schön sei, die wichtigste Motivation jedoch immer die eigene Begeisterung für das Schreiben bleibe.
Zum Schluss blieb besonders ein Satz im Bewusstsein der Anwesenden:
„Vor euch steht ein glücklicher Mann – ich tue das, was ich liebe und ich liebe das, was ich tue.“
Frei zu sein im eigenen Beruf und der eigenen Entscheidung, das sei für ihn ein wichtiges Ziel. Sein Besuch an der Konrad-Zuse-Schule Hünfeld war mehr als nur eine klassische Autorenlesung: eine Einladung, Literatur, Schreiben und Kreativität als etwas Lebendiges, Nahbares und mit dem eigenen Leben Verbundenes zu erleben.
Die Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule (11FSa/11FSb) nahmen nicht nur Einblicke in den Schreiballtag eines erfolgreichen Autors mit, sondern vor allem eine Botschaft: Wer mit Leidenschaft schreibt, verbindet Erfahrungen mit Fantasie und kann damit Menschen erreichen, überraschen und berühren.
Wir danken Klaus-Peter Wolf herzlich für seinen Besuch an der Konrad-Zuse-Schule Hünfeld sowie Petra Stephanblome und den Verantwortlichen der Reihe „Literatur im November“, die diese Begegnung möglich gemacht haben.




