„Krachend erheitern und lachend scheitern“... mit Heinrich von Kleists Lustspiel „Der zerbrochene Krug“ an der Konrad-Zuse-Schule
Hünfeld. Am Mittwoch und Donnerstag, dem 4. und 5. November gastierte THEATERmobileSPIELE aus Karlsruhe bereits zum dritten Mal an der Konrad-Zuse-Schule und begeisterte rund 160 Abiturientinnen und Abiturienten des beruflichen Gymnasiums und der Wigbertschule mit einer modernen Inszenierung von Heinrich von Kleists Klassiker „Der zerbrochene Krug“.
„Deutschland liegt in Scherben. In die deutsche Kleinstaaterei wächst Kleist hinein, reibt sich auf an den preußischen Auswüchsen. Das Zersplittert-Sein […] mit einem Rucksack voll Scherben ständig reisend, das waren Kennzeichen von Kleist“ - so heißt es auf der Homepage von THEATERmobileSPIELEbuehnenspiele.de, was bereits in wenigen Worten das Setting und den Ausgangspunkt des Stücks skizziert.
Doch bringen Scherben nicht eigentlich Glück?... Zumindest auf Adam, den korrupten und zugleich unbeholfenen Dorfrichter aus Kleists Lustspiel, dürfte dies nicht zutreffen! Adam, der von Schauspieler Rouven Honnef äußerst humorvoll in Szene gesetzt wurde, versucht mit den Mitteln der List und Tücke ein Verbrechen zu vertuschen, das er selbst zu verantworten hat.
Der Inhalt der kleistschen Komödie ist schnell erzählt: Witwe Marthe Rull verlangt von Adam Aufklärung und Schadensersatz für ihren Krug, der zu Bruch gegangen ist. Sie verdächtigt dabei Ruprecht, den Verlobten ihrer Tochter Eve. Der hingegen beteuert seine Unschuld. Eve wiederum weigert sich, Ruprecht zu belasten. Dieser aber unterstellt ihr, während der Nacht Herrenbesuch empfangen zu haben. Kurzum: ein Geflecht aus List und Täuschung entsteht, in dessen Mittelpunkt – man ahnt es schon - schließlich Adam rückt. Am Ende ist klar: Adam selbst war der nächtliche Besucher in Eves Kammer und hat, allem Lug und Trug zum Trotz, den Krug zerbrochen!
An der Seite von Rouven Honnef als Dorfrichter Adam beeindruckte auch Schauspielerin Vanessa Silva Bauer, indem sie während der Inszenierung gleichzeitig in mehrere Rollen schlüpfte. So setzte sie nicht nur Schreiber Licht und Gerichtsrat Walter – in dieser Inszenierung von weiblichem Geschlecht – in persona und am Bildschirm mit viel Humor und einem Augenzwinkern in Szene. Auch weitere Figuren wie Ruprecht, Eve und Marthe Rull wurden von ihr mittels Stabpuppen mit verstellter Stimme und unverkennbarer Mimik verkörpert.
Kleist stellt in seinem 1808 uraufgeführten Lustspiel die nach wie vor hochbrisanten Fragen danach, wie gerecht ein Gericht eigentlich sein kann und, was Wahrheit, Moral und Gesetz in ihrem Kern bedeuten. Dies zeigte sich nicht nur im souveränen Schauspiel der beiden Künstler, sondern auch in der Symbolik des kunstvoll ausgetüftelten Bühnenbildes: in den sich türmenden Bergen von Aktenordnern, die sich öffnen und schließen lassen und dem Zuschauer hin und wieder einen Blick in das Schmierentheater bei Gericht eröffnen, in dem von Adam mit rotem Band geschickt geflochtenen Gespinst aus List und Täuschung, wie auch in dem am Boden ruhenden Auge, das angelehnt an die griechische Mythologie, das „echte“ Schauen und die „echte“ Suche nach der Wahrheit symbolisiert.
Sich „[…] krachend erheitern“ lassen und dabei „lachend scheitern […]“ – wie es im Flyer zur Inszenierung steht – das können wir tatsächlich auch heute noch mit Heinrich von Kleist! Das Gastspiel des THEATERmobileSPIELE zeigte erneut, wie lebendig, lehrreich und gleichzeitig hochaktuell klassische Literatur sein kann. Wir bedanken uns daher sehr herzlich bei Abteilungsleiterin Petra Stephanblome, die die Aufführung organisiert hat, sowie bei Thorsten Kreilos, Intendant von THEATERmobileSPIELE, und seinem gesamten Team für zwei unterhaltsame Theatertage sowie spannende Einblicke hinter die Kulissen des Theaterbetriebes!






