Jugendoffizier informiert BG-Schüler über aktuelle Sicherheitspolitik
Hünfeld. Am Mittwoch, dem 19. November, fand an der Konrad-Zuse-Schule in Hünfeld eine besondere Vortrags- und Diskussionsveranstaltung für die Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums statt. Anwesend waren die Jahrgangsstufen der neuen E-Phase, der Q1 sowie der Q3. Zu Gast war Oberleutnant Henrik May, Jugendoffizier der Bundeswehr aus Gießen, der einen umfassenden Einblick in sicherheitspolitische Fragen, internationale Konflikte und die Rolle der Bundeswehr gab.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Herrn Kühlthau, der in seiner Ansprache betonte, dass es sich nicht um Werbung für die Bundeswehr, sondern um politische Bildung handele. Er verwies darauf, dass diese Veranstaltung auf der 2025 erneuerten Kooperationsvereinbarung zwischen dem Landeskommando Hessen der Bundeswehr und dem Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen basiere. Anschließend stellte er die Verbindung zur heutigen sicherheitspolitischen Lage her und ging der Frage nach, warum sich junge Menschen überhaupt mit solchen Themen beschäftigen sollten. Zur Verdeutlichung berichtete er von den persönlichen und recht unterschiedlichen Wehrdiensterfahrungen von Herrn Ahrens in den 1980er Jahren sowie seiner eigenen Einberufung 1998/99. Diese Einblicke machten deutlich, wie sehr sich sicherheitspolitische Rahmenbedingungen verändert haben.
Oberleutnant May stellte zunächst die Aufgaben der Jugendoffiziere vor und leitete anschließend zu einer Vielzahl aktueller sicherheitspolitischer Themen über. Zu Beginn betonte er, dass Einsätze der Bundeswehr – so „unsexy“ es klinge – immer auch wirtschaftliche und geopolitische Interessen berühren. Er erklärte grundlegende Begriffe wie Sicherheitspolitik und Bündnispflichten und hob die Bedeutung internationaler Kooperationen hervor.
Ein Schwerpunkt seines Vortrags lag auf dem Ukraine-Russland-Konflikt. May erläuterte militärische Entwicklungen, Russlands strategische Ziele sowie die Auswirkungen auf die NATO. Dabei machte er deutlich, dass bei internationalen Konflikten häufig „nicht das Land an sich, sondern geopolitische Interessen“ im Vordergrund stehen. Darüber hinaus widmete er sich modernen Bedrohungen wie Cyberangriffen, hybrider Kriegsführung und dem zunehmenden Einsatz von Drohnen – Bereichen, die nach seinen Worten „für die Zukunft der Verteidigung immer wichtiger werden“.
Ein Satz von Oberleutnant May blieb den Schülerinnen und Schülern besonders im Gedächtnis: „Die Bundeswehr in der NATO ist verteidigungsfähig – aber das ist ein Zustand, den man sich immer wieder neu erarbeiten muss.“ Damit machte er deutlich, dass Sicherheitspolitik kein feststehendes System ist, sondern sich ständig weiterentwickelt und immer wieder an neue Herausforderungen angepasst werden muss.
Neben Auslandseinsätzen thematisierte der Jugendoffizier auch die Amtshilfe innerhalb Deutschlands, etwa bei Flutkatastrophen oder Waldbränden. Die Bundeswehr sei, wie er betonte, „viel mehr als reine Militäreinsätze“ und spiele auch im zivilen Bereich eine wichtige unterstützende Rolle. Gleichzeitig hob er hervor, dass „der Einsatz von militärischer Gewalt immer die letzte Option“ sei – eine Aussage, die vielen Zuhörenden bezüglich der aktuellen Umstände ein Gefühl von Sicherheit vermittelte. Besonders eindrucksvoll war zudem seine Schilderung dessen, was im Ernstfall eines Krieges geschehen würde, etwa Angriffe auf Infrastruktur, Blockaden oder massive Verstöße gegen Völkerrecht. Seine Aussage dazu war klar formuliert: „Am Ende sind wir alle Menschen, auch Soldaten, die kämpfen.“
Im Anschluss an den Vortrag moderierten Emily Bosold und Lara Metz aus der Q3b die vom gesamten Beruflichen Gymnasium vorbereitete Diskussionsrunde. Die Schülerinnen und Schüler stellten zahlreiche Fragen – von der Bedrohungslage in Europa über die Rolle der NATO bis hin zu Perspektiven eines potenziellen Militär- bzw. neuen Wehrdienstes. Besonders groß war das Interesse am aktuellen Gesetz zur Wehrpflicht und daran, welche Auswirkungen dies künftig auf junge Erwachsene haben könnte. Oberleutnant May beantwortete diese Fragen offen und verständnisvoll. Sein Appell war dabei deutlich: Sicherheitspolitik betrifft uns alle, und es ist wichtig, sich aktiv damit auseinanderzusetzen. Wer sich informiert, Fragen stellt und kritisch analysiert, kann nicht nur die eigenen Perspektiven erweitern, sondern auch besser verstehen, welche Verantwortung jeder Einzelne in einer zunehmend komplexen Welt trägt.





