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Politiker sein für einen Tag - Digitales Rollenspiel zum Thema „Kommunale Selbstverwaltung“

Von Daniela Dietl | | Aktuelles

Hünfeld, 02.12.2020. „Die Schülerinnen und Schüler leiten den rechtlichen Ordnungsrahmen ihrer Verwaltung aus den für ihre Fachrichtung relevanten Rechtsgrundlagen ab und ordnen ihren Ausbildungsbetrieb in das staatliche Gesamtgefüge ein.“ (HKM 1999:10), so beschreibt der Rahmenlehrplan ein Lernziel für die Auszubildenden zum/zur Verwaltungsfachangestellten. Dass sich hinter dieser Aussage ein ganz spannendes Aufgabenfeld verbirgt, konnten die Auszubildenden der Klassen VFAGa und VFAGb (Verwaltungsfachangestellte Grundstufe) gemeinsam mit ihrem Lehrer Herrn Semsch heute im Rahmen eines Projekttages zum Thema „Kommunale Selbstverwaltung“ feststellen.

Fotos: Daniela Dietl

Unter der Leitung von Carolin Reif von Polyspektiv, die sich via Zoom aus Berlin in den Klassenraum zuschaltete, startete der Projekttag um 8.00 Uhr mit einem Quiz, an dem jede/-r einzelne Schüler/-in mit dem eigenen Smartphone teilnahm. Hier zeigte sich, dass die Schülerinnen und Schüler bereits auf ein fundiertes Fachwissen aus dem Bereich des Staatsrechts zurückgreifen können. Nachdem die Siegerin dieser Runde mit beeindruckenden 13 von 15 Punkten feststand, folgte eine Informationsphase, in der Carolin Reif gemeinsam mit ihrer Kollegin Heidi Ness interessante Fakten zur Frage „Was ist kommunale Selbstverwaltung?“ präsentierte. Mit diesem Wissen im Gepäck konnten die Auszubildenden nun das eigentliche Herzstück des Projekttages, die Simulation einer vollständigen Stadtverordnetenversammlung bestreiten. Die Schülerinnen und Schüler schlüpften dazu in die Rolle von Kommunalpolitikern der Modellstadt Chattenbach. Aufgeteilt in vier Fraktionen galt es, eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Vorschlag des Baustadtrates, die Führung privater PKW in der Stadt zu verbieten, zu führen. Dazu entwickelte jede Fraktion entsprechend ihrer parteipolitischen Zielsetzung in einer Fraktionssitzung zunächst eine klare Position.

Nach einer Plenarsitzung zur Frage „Soll unsere Gemeinde autofrei werden?“ bildeten die Schülerinnen und Schüler einen Umwelt- und Naturausschuss sowie einen Verkehrs- und Handelsausschuss. Innerhalb dieser Ausschüsse diskutierten die Auszubildenden in separaten Video-Konferenz-Räumen, ausgestattet mit Tablet oder Laptop und Headset die genannte Fragestellung. Außerdem waren die Ausschüsse aufgefordert, konkrete Empfehlungen für die Umsetzung einer autofreien Stadt zu entwickeln und ergänzende Ideen für eine klimafreundliche Stadtpolitik zu formulieren.

An eine lebhafte Diskussionsphase anschließend schlugen die Ausschüsse in der nun folgenden 2. Fraktionssitzung zum Beispiel vor, das Fahrverbot nur für die Innenstadt auszusprechen, während Randbereiche differenziert betrachtet werden sollten. Um die Stadt trotz autofreier Zone attraktiv zu halten, wurde der Vorschlag, den öffentlichen Nahverkehr finanziell zu unterstützen, damit Tickets zu reduzierten Preisen angeboten werden könnten, genannt. Auch der Aufbau eines Leihsystems für E-Bikes und der Bau dazugehöriger Ladestationen wurden als Ideen zur Abstimmung in die Stadtverordnetensitzung eingebracht. Nach der Vorstellung der durch die Ausschüsse genannten Änderungsanträge leitete die Vorsitzende der Sitzung die Abstimmung über diese Anträge ein. In einem zügigen Verfahren wurde über ein Gesamtpaket an Zielen und Maßnahmen abgestimmt, das schließlich mit einfacher Mehrheit verabschiedet werden konnte.

Mit einer Reflexionsphase zu individuellen Möglichkeiten der Mitgestaltung auf kommunalpolitischer Ebene, in der die Schülerinnen und Schüler erkannten, dass sie durchaus eine Stimme in der Politik haben, schloss nach 7 Stunden ein arbeits-, vor allem aber auch erkenntnisreicher Projekttag. Dank der professionellen Unterstützung seitens Polyspektiv gelang es, ein auf die Auszubildenden manchmal eher fremd wirkendes Thema praxisnah, handlungsorientiert und nachhaltig zu erarbeiten.

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Politiker sein für einen Tag - Digitales Rollenspiel zum Thema „Kommunale Selbstverwaltung“ - Foto: Daniela Dietl