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Schule ist wie eine Katze - Digitaler Poetry-Slam-Workshop in Corona-Zeiten

Von Daniela Dietl | | Aktuelles | Hünfelder Zeitung | Osthessen-Zeitung

Hünfeld, 17.11.2020. Flexibilität und Spontaneität sind in Zeiten wie diesen gefragt wie nie zuvor. Und so kam es, dass sich die Auszubildenden zur/zum Verwaltungsfachangestellten der Klasse VFAMb entschlossen, sich um die Teilnahme an dem kurzfristig vom Verein THEATER KULTUR angebotenen digitalen Workshop „Writedown!“ mit Lars Ruppel zu bewerben.

Fotos: Daniela Dietl

Gerade einmal eine Woche war zwischen der Veröffentlichung des Angebots und dem Moment vergangen, als Lars Ruppel am 17.11.2020 per Teams-Videoschaltung seine Begrüßung aus Berlin über das Active-Board in den Klassenraum in Hünfeld schicken konnte. Auf humorvolle Weise machte der Künstler deutlich, welches Ziel er mit seinem Workshop-Angebot verfolgt – nämlich die Begeisterung, die er selbst für Sprache empfinde, auch bei anderen Menschen zu wecken. Auch wenn Poesie schwierig sei und es durch poetische Überforderung schnell zu einem Ausbruch von „Morbus Goethe“ kommen könne, sei es durchaus lohnenswert, ausgetretene Sprachpfade zu verlassen. Gelinge dies, dann werde Poesie interessant. Und so folgte der Appell: „Nutzen Sie die Kreativität, die Ihnen Sprache bietet!“

Um diesem Appell Taten folgen zu lassen, forderte Lars Ruppel die Auszubildenden auf, aktiv an einer Wortschatzübung teilzunehmen. So ging es in der ersten Runde darum, im Rahmen eines Wettbewerbs fünf Synonyme für verschiedene alltägliche Begriffe zu finden. Schnell entfaltete sich das künstlerische Potenzial der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und aus einem Baum wurde ein „Fruchtgeber“, „CO2-Gewinner“ oder „Wurzelgetragener“. Mit Hilfe der Chat-Funktion konnte leicht derjenige bzw. diejenige bestimmt werden, der bzw. die zuerst fünf Synonyme formuliert hatte. Belohnt wurden die Rundensieger/-innen jeweils mit einem von Lars Ruppel vorgetragenen Heinz-Erhardt-Gedicht.

Es folgte eine weitere Kreativphase, in der zunächst einzelne Sätze gestaltet wurden. Die Aufforderung, mit allem, nur nicht mit dem Kopf zu schreiben, weckte ungeahnte poetische Talente und führte zu Aussagen wie „Liebe ist wie eine Stehlampe. Pflegt man sie nicht, verstaubt sie.“ (A. Schrimpf) oder „Schule ist wie eine Katze. Manche mögen sie, andere sind allergisch dagegen.“ (S. Niewelt). Die so entstandenen Sinnsprüche sorgten nicht nur für große Erheiterung in der Klasse, sondern auch für die Erkenntnis, über welche poetischen Schatz jede/-r Einzelne verfügt.

Die dritte Aufgabe, die Lars Ruppel den Auszubildenden stellte, bestand darin, ein Liebes- oder Hassgedicht an einen zuvor zugelosten Begriff zu verfassen. Hierbei entstanden unter anderem ein beeindruckend romantisches Liebesgedicht an einen Traktor oder ein Hassgedicht an Dachziegeln, denen mit einer Überlagerung durch Solaranlagen gedroht wurde.

So vergingen die 90 Minuten wie im Flug und am Ende waren sich alle einig, dass es eine absolut gelungene Veranstaltung war. Es wurde deutlich, wie viel Spaß die kreative Auseinandersetzung und das eigene Produzieren mit Sprache machen können. Ohne die aktuelle Situation hätte es das Workshop-Angebot sicher nicht in diesem digitalen und für die Schule als Lernort völlig unkomplizierten Format gegeben, so dass man trotz der vielen Einschränkungen im derzeitigen Schulbetrieb hier durchaus von einem positiven Erlebnis sprechen kann.

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Schule ist wie eine Katze - Digitaler Poetry-Slam-Workshop in Corona-Zeiten - Foto: Daniela Dietl
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