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Von Stacheldraht, Minen und Rutschen – eine Region im Wandel der Zeit

Von Daniela Dietl | | Aktuelles

Hünfeld/Rasdorf, 17.12.2019. Wie sah sie eigentlich aus, diese Grenze, die Deutschland über vierzig Jahre hinweg in zwei Teile teilte? Und was bedeutete es, im „Fulda Gap“ zu leben? Antworten auf diese und viele andere Fragen erhielten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 11 FW während ihrer Exkursion zu Point Alpha am gestrigen Dienstag.

Nachdem passend zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im Politikunterricht der Klasse 11 FW die Geschichte der deutsch-deutschen Teilung bis zur Wiedervereinigung in vielen Facetten behandelt wurde, machte sich die Klasse gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Frau Dietl und dem Politiklehrer Herrn Semsch auf den Weg, um das bereits erworbene Wissen an der Gedenkstätte Point Alpha möglichst realistisch zu erleben. Außerdem diente die Exkursion dazu, ein aktuell im Deutsch-, DV- und Politikunterricht laufendes Projekt zum Thema „30 Jahre Mauerfall“ weiter voranzubringen. Mit einer eindrucksvollen Präsentation der früheren Grenzanlagen, die die DDR von der BRD über viele Jahre hinweg trennten und die erfolgreiche Fluchtversuche immer unwahrscheinlicher und riskanter machten, begann die Führung im Haus auf der Grenze. Von der einfachen Straßensperre, über einen durchgängigen Stacheldrahtzaun hin zu einem streng abgeriegelten und bis ins Detail gegen Fluchtversuche abgesicherten System aus Minenfeldern und Selbstschussanlagen wurde für alle nachvollziehbar, welchen Einschnitt die innerdeutsche Grenze für das Leben der Menschen in der Region bedeutete. Und auch die ständige Gefahr, der die Menschen in der Region um Fulda während des Kalten Krieges ausgesetzt waren, wurde dank der authentischen Berichte seitens der Museumsführerin deutlich. So hätte sowohl ein Angriff der Amerikaner auf Russland als auch ein umgekehrter Angriff Russlands auf die Amerikaner mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die vollkommene Vernichtung der Region bedeutet. Nicht nur Sprengstoffdeckel, die in den Straßen von Rasdorf bis Frankfurt für die Vernichtung der Infrastruktur im Ernstfall vorbereitet waren, sondern v. a. Nuklearwaffen mit der 600-fachen Wirkung der Hiroshima-Bombe, die für das sogenannte „Fulda-Gap“ bereit standen, zeigen, auf welchem politischen Pulverfass die Menschen zwischen 1950 und 1989 in und um Fulda lebten.

Dass die Überwindung der deutschen Teilung nicht nur emotional, menschlich und politisch unglaublich bedeutsam für die Region war, sondern auch ganz wesentlich für die wirtschaftliche Entwicklung im Grenzgebiet war, konnten die Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Betriebsbesichtigung der Firma Wiegand GmbH im Grenzort Rasdorf erleben. Herr Semmelroth und Herr Krieger stellten die Produktbereiche des Unternehmens vor und zeigten, wie sich das Unternehmen in den vergangenen zwanzig Jahren zu einem Global Player mit Alleinstellungsmerkmalen auf dem Markt für Rutschen entwickeln konnte. Im Rahmen der Betriebsbesichtigung wurde der Prozess von der Bearbeitung einer Kundenanfrage über die Ideenfindung und Planung einer Rutschenkonstruktion bis hin zur Produktion und Auslieferung erläutert und mit Fotos und Videos von beeindruckenden Rutschen „Made in Rasdorf“ dargestellt. Damit konnten die Schülerinnen und Schüler auch passend zu dem gewählten beruflichen Schwerpunkt „Wirtschaft und Verwaltung“ unmittelbar aus der Praxis lernen.

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Von Stacheldraht, Minen und Rutschen – eine Region im Wandel der Zeit - Foto: Daniela Dietl