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IT-Auszubildende im Gefechtssimulationszentrum Heer

Von Torsten Jahn | | Aktuelles

Einen nicht alltäglichen Klassenausflug erlebten die Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse bei der Bundeswehr. Der Besuch der Rhön-Kaserne in Wildflecken diente den Auszubildenden der Zweijährigen Höheren Berufsfachschule zur praktischen Übung der IT-Anwendungsentwicklung.

Fotos: Torsten Jahn

So sollen die zukünftigen Informatiker der Konrad-Zuse-Schule immer wieder durch betriebliche Kooperationen die Anforderungen von EDV-Lösungen ermitteln und diese konzeptuell umfassen, beschreiben und für die spätere Programmierung strukturieren. Dazu gehört eine Bedarfsermittlung vor Ort, das Gespräch mit dem Auftraggeber und die Verschriftlichung der Wünsche für die zu entwickelnde Lösung.

Die gute Vernetzung der beruflichen Schule in Hünfeld bot in diesem Fall den 17- bis 20-jährigen “Azubis” ein außergewöhnliches Übungsprojekt. Hinter der hessischen Grenze, in der bayerischen Rhön werden Soldaten im Führungseinsatz geschult und eingeübt. Die Bundeswehr betreibt heute in der großen Kaserne (erbaut noch vor dem 2. Weltkrieg) das „Gefechtssimulationszentrum Heer“. Nach Kriegsende von den Amerikanern genutzt, besuchen auch diese heute zusammen mit vielen anderen Nationen den Standort. Mit einem komplexen EDV-System aus Servern und hunderten von PCs wird hier das Führen von Soldaten erprobt, geübt und optimiert.

Statt dazu “echte” Streitkräfte in Kompanie- bis Brigadestärke (von einigen Dutzend bis zu tausenden Soldaten - oder auch mehr) über und im Gelände zu bewegen, werden diese simuliert. Am Beispiel einer überschaubaren Panzerbesatzung von meist nicht mehr als 2 bis 5 Soldaten bedeutet dies, dass der Panzerkommandant mit seiner Besatzung auf einem virtuellen Schlachtfeld (verwendet wird die Software “Virtual Battle Field 3”) das Zusammenspiel unter Stress üben kann - ohne eben teuren und umweltschädigenden Diesel zu verbrennen. Doch nicht nur Soldaten müssen geführt werden - auch Feuerwehren, das THW, Polizeikräfte und andere Mannschaften benötigen in größeren Einsätzen eine effektive Führung - auch diese können im Simulationszentrum ihre Führungsstrukturen (Fahrzeuge, Kommunikation, Einsatzkräfte) real aufbauen und in einer komplexen Simulation große Lagen (bis hin zu ganzen Ländern, die samt Presselandschaft, Politikern, Bevölkerung - aber auch Wetter, Versorgungslage etc.) “durchspielen”. Das Wort “Spielen” wird dabei ungern benutzt, man spricht hier von “Üben” - schließlich ist der Hintergrund ernst, egal ob die Bundeswehr, US-Army, Feuerwehr oder das THW übt.

Die Auszubildenden durften unter der Leitung von Oberstleutnant Seifert und den beiden Hauptfeldwebeln Schlereth und Schindelmann die Anforderungen im Betrieb eines solchen Gefechtssimulationszentrums ermitteln. Dabei wurden in Gruppenarbeit die Bereiche Logistik, Vernetzung und Simulation diskutiert, erörtert und geplant. Tatsächlich werden in der Rhön-Kaserne gerade weitere Investitionen geplant, so dass sich die beiden Berufssoldaten schnell in die Situation des Klassenauftrags hineinversetzen konnten. Der Stabsoffizier Seifert, im “echten” Leben Laboringenieur an der Hochschule Fulda und dort sowieso täglich mit der Vernetzung von IT-Systemen erprobt, war hier ganz in seinem Metier – die Auszubildenden ebenso und die Lehrkräfte der Schule assistierten.

Die Auszubildenden und beteiligten Lehrkräfte bedankten sich beim Kommandeur (Dienststellenleiter), Herrn Oberst Steinberger und seinem Stellvertreter, Herrn Oberstleutnant Schirmer, für die Möglichkeit dieser interessanten Einblicke. Der Informatiklehrer, Herr Jahn, überbrachte Grüße der Schulleiterin, Frau Oberstudiendirektorin Diegelmann und wurde im Versuch, die beiden Dienststellenleiter im Rang “Oberst” zu vergleichen, schmunzelnd darauf hingewiesen, dass hier sicherlich schon von “Generalin” zu sprechen sei. Nach vier Stunden vor Ort war dieser Lehrausflug beendet und wird schulisch anschließend weiter ausgewertet.

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IT-Auszubildende im Gefechtssimulationszentrum Heer - Foto: Torsten Jahn