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Thomas Mann trifft Konrad Zuse

Von Ulrike Neu | | Aktuelles

Am Freitag, 10.5. 2019 konnten Kai-Uwe Abersfelder und Petra Stephanblome im Namen der Schulleitung den Europaabgeordneten Thomas Mann in der Konrad-Zuse-Schule begrüßen.

Die Kollegen Henning Ahrens und Michael Kühlthau hatten zuvor mehrere Wochen den Besuch in ihrem Politikunterricht des beruflichen Gymnasiums vorbereitet und die Schülerinnen und Schüler der Stufen E2, Q2 und Q4 Themen und Fragen an den Europaabgeordneten sammeln lassen.

Adrian Krieger, Q2a, und Mathis Jakobi, Q2b, fungierten als Moderatoren der Veranstaltung und eröffneten die Diskussion. Zu Beginn stellte Herr Thomas Mann sich vor als deutscher Europäer und europäischer Deutscher. Um den Schülerinnen und Schülern des BG das Thema EU nahezubringen, berichtete Herr Mann zuerst davon, was die EU für die Jugendlichen in Europa tut. Auch wenn Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland im Moment kein Problem ist, sieht das in anderen europäischen Staaten ganz anders aus. So herrscht in einigen südeuropäischen Staaten eine Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 30%. Die Jugendbeschäftigungsinitiative der EU, die mit 8 Milliarden Euro gefördert wird, versucht Jugendliche aus der Arbeitslosigkeit zu holen. Durch Programme wie Erasmus plus ermöglicht die EU Jugendlichen Mobilität und die Chance, andere Länder und Kulturen kennenzulernen. Dabei profitieren sie dann von einem weiteren Erfolg der EU-Arbeit: die massive Senkung der Roamingkosten für die Handynutzung.

Nach dieser Einleitung stellte sich Thomas Mann den zum Teil sehr kritischen Fragen der Schülerinnen und Schüler, die ein sehr breites Themenfeld umfassten.

Eine Auswahl dieser Fragen an und Antworten von Herrn Thomas Mann:

Was halten Sie vom Projekt neue Seidenstraße?

Aus der Sicht von Herrn Mann ist das Projekt nur im Interesse Chinas und er ist gegen dieses Projekt.

Warum haben Sie gegen die Urheberrechtsreform gestimmt?

Herr Mann räumte ein, dass der Umgang mit jungen Menschen vorab der Abstimmung über die Urheberrechtsreform schlimm gewesen sei. In der Folge habe er täglich 800 bis 1000 Mails von jungen Leuten erhalten und daraufhin den Kontakt zu den Absendern gesucht und sich über die Folgen der Reform für User und Unternehmen informiert.

Leistung müsse seiner Meinung nach bezahlt werden, aber aus seiner Sicht gleiche die Sortierung von Inhalten durch Maschinen einer Zensur und die hohen Gebühren, die auch Kleinunternehmen für die Kontrolle von Inhalten zahlen müssen, kommen einem Berufsverbot gleich.

Wie stehen Sie zum Regulierungswahn der EU – Stichwort Krümmung der Gurke, Glühbirnenverbot? Könnte die Zeit nicht sinnvoller genutzt werden?

Im Fokus der EU-Arbeit solle das Thema Sicherheit stehen. Insbesondere der Kampf gegen Terrorismus müsse im Fokus stehen.
Zum Thema Glühbirne und Kaffeemaschine gab Herr Mann zu bedenken, dass die Umweltministerien der Staaten Vorschläge von der EU erwarten, wie Energie gespart werden könne.

Sollte das Wahlalter auf 16 Jahre abgesenkt werden?

Einer solchen Absenkung des Wahlalters stimmt Herr Mann zu, da manche Leute mit 16 heller im Kopf seien als andere mit 60.

Glauben Sie an einen geordneten Brexit?

Herr Mann ist der Überzeugung, es solle rausgehen, wer raus will, und drinbleiben, wer drinbleiben will. Er hält die Verlängerung der Ausstiegsfrist für einen Fehler, sie hätte aus seiner Sicht nicht erlaubt werden sollen. Das Hinhalten hält er persönlich für peinlich.

Kostet Europa den deutschen Steuerzahler nicht zu viel Geld?

Dieser Sichtweise stellte Herr Mann entgegen, dass Deutschland am meisten vom Exporthandel profitiere, der durch die EU ermöglicht werde.

Sollte es in Zukunft eine europäische Armee geben?

Eine europäische Armee hält Herr Mann durchaus für denkbar und sinnvoll, allerdings dürfe es sich dabei nur um eine Defensivarmee handeln und die nationalen Armeen müssten bestehen bleiben.

Sollten die Militärausgaben in Deutschland erhöht werden?

Auch bei dieser Frage vertritt Herr Mann einen klaren Standpunkt. Die Gerätschaften, die die Bundeswehr habe, müssten funktionieren. Allerdings dürfe eine Erhöhung der Militärausgaben nicht auf Kosten der Sozialausgaben und der Ausgaben für Bildung gehen. Angesprochen auf die umstrittenen externen Berater des Verteidigungsministeriums räumte Herr Mann ein, dass er diese für eine Geldverschwendung halte.

Einer Wiedereinsetzung der Wehrpflicht steht Herr Mann kritisch gegenüber.

Wie stehen Sie zu Genderfragen und der Diskussion um viele Umbenennungen, z.B. der Streichung des Wortes Vaterland aus der Nationalhymne?

Eine Frauenquote hält Herr Mann für nicht notwendig, allerdings sieht er einen hohen Bedarf an Familienorientierung in Politik und Wirtschaft, um Frauen zu fördern.

Umbenennungen steht Herr Mann kritisch gegenüber. Der Begriff „Schulanwesende“ stehe seiner Meinung nach für „akrobatische Geschichten, die nicht zu fassen sind.“ Durch Umbenennungen von z.B. Weihnachtsmärkten gerate die Gesellschaft in eine gefährliche Defensive. Toleranz und Respekt seien aber unverzichtbar.

Sind die Klimaziele realistische Zielmarken?

Fridays for Future werden von Herrn Mann ausdrücklich unterstützt, auch wenn die Demonstrationen nach der Schule vielleicht einfacher seien. Das Pariser Abkommen müsse erreicht werden, da gebe es keine Alternative. Allerdings ist Herr Mann sich „wegen zweifelhafter Herstellungsbedingungen“ der Batterien E-Autos gegenüber noch unsicher.

Wie stehen Sie zum Thema gleichgeschlechtliche Ehe und Adoptionsrecht für homosexuelle Paare und sollte es dazu ein EU-Gesetz geben?

Auch wenn Herr Mann Familie als klassische Familie versteht, versteht er Homosexualität nicht als Krankheit und würde nicht aktiv dagegen vorgehen. Ein EU-Gesetz hält er für unwahrscheinlich, da die Kulturen und Sichtweisen in den einzelnen Ländern zu unterschiedlich seien.

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V.l.: Mathis Jakobi (Q2b), Europaabgeordneter Thomas Mann und Adrian Krieger (Q2a). Foto: Dirk Jonas
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Foto: Dirk Jonas
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Foto: Dirk Jonas